Zuschriften

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Uns erreicht eine Zuschrift aus dem Bundesland Hamburg. Ein GEW-Kollege gewährt uns einen Blick über den niedersächsischen Tellerrand.

Hinweis: Die Veröffentlichung bedeutet nicht, dass wir dem Inhalt der Zuschrift uneingeschränkt zustimmen.

Wir möchten den geneigten Lesern und Leserinnen den Blick auf die Gegebenheiten in Hamburg und auf die Meinung dazu jedoch nicht vorenthalten.

 

Zuschrift:

“Qualifikation der Fachlehrer für Fachpraxis bzw. Werkstattunterricht/Technische Lehrer

Die besoldungsmäßige Anerkennung der „Fachlehrer“ ist in den Bundesländern unterschiedlich gewertet. Gemeinsam ist jedoch die Eingangsvoraussetzung zur Fachlehrerausbildung (FLA) mit dem Abschluss einer zweijährigen Fachschule mit 2.400 UStd. (staatlich geprüfter Techniker/ Betriebswirt) bzw. der Meister/Fachwirt o.ä. Damit liegt die FLA oberhalb der Schulgesetze für Fachschulen, denn eine „Anpassungsfortbildung“ dauert lt. KMK-Absprache max. 6 Monate.

Welchen formellen bzw. „außerschulischen“ Wert hat die 18-monatige Weiterbildung zum „Fachlehrer für Fachpraxis“ unabhängig von der Besoldung? In anderen Behördenbereichen wird neben dem internen Abschluss (Polizei: Laufbahnprüfung Kommissar) auch eine formelle außerbehördliche Qualifikation (Polizei: Diplom-Verwaltungswirt) vergeben. Wie wird z. B. ein Fachlehrer bewertet, der als Ausbildungsleiter in die „Wirtschaft“ wechseln möchte?

In Hamburg hat die Schulbehörde-HIBB für die Fachlehrerausbildung (FLA) die Doppelfunktion als Kultusministerium und Beschäftigungsbehörde. An der internen Fortbildung für angestellte Lehrwerkmeister zum „Fachlehrer für Werkstattunterricht“ nehmen auch sog. „Fremdbewerber“/“außerschulische“Teilnehmer mit BAFöG-Förderung teil („Hamburgensie“). Ziel ist hier die Tätigkeit als Ausbildungsleiter in der Wirtschaft. Diese Bildungsmaßnahme ist nicht im Schulgesetz – Fachschulen mit zusätzlichen Berechtigungen – aufgeführt und nicht der KMK‑ZAB für Europa und international gemeldet. Versäumt wurde u. a. die Akkreditierung als Berufsakademie bzw. der Einbezug in die neuen HS-Studiengänge Bachelor Erziehungswissenschaft.
Ähnliche Weiterbildungsqualifikationen oberhalb der Fachschulabschlüsse sind u. a. der „Offizier des militärfachlichen Dienstes“ und der „Lotse“ (Schulabschluss SgNautiker). Hier erfolgt jedoch die „Wertschätzung“ durch die Besoldung zum Stabskapitänleutnant (A13) bzw. die „Bestallung“ als Grundlage für die „Heuer“ ähnlich einem Kapitän. Auch für diese Qualifikationen sind bisher im informellen Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) nicht verortet. Damit ist die FLA außerhalb des Schulbereiches formell „wertlos“!

Notwendig ist eine Bewertung unabhängig vom Bildungsträger (UStd, Semestern, ECTS) unter Berücksichtigung von:
Allgemeinbildender Abschluss
Berufsausbildung (Differenzierung nach 3 bzw. 3,5 Jahren)
Praxis als Geselle/Facharbeiter
Fachschule/Meister
Berufspraxis
Fachlehrerausbildung
Zusatzqualifikationen/Weiterbildungen

Deutlich wird, dass sich Berufsverbände, Kammern und Gewerkschaften für die Gleichwertigkeit bzw. Anrechnung der beruflichen Bildung auf ein Hochschul-Studium einsetzen. Dabei wird jedoch der Bildungsbereich mit dem „Fachlehrer“ kaum berücksichtigt. Nicht gewollt ist u.a. der Bachelor Erziehungswissenschaft als „Hilfslehrer“, denn Ziel ist das „grundständige“ Studium zum StR. Daher ist eine Laufbahnfortbildung zum Fachoberlehrer-Theorie bzw. Fachlehrer für den sonstigen Fachunterricht in der neuen FHH-LVO-Bildung nicht vorgesehen.

Nicht berücksichtigt wird, dass viele Fachlehrer in der Fachberufsschule theoretische und allgemeinbildende Fächer unterrichten und somit „höherwertig“ ähnlich der StR eingesetzt werden.
Z. B. wurde in Hamburg die Ausbildungsvorbereitung (AV) eingeführt. Da die Fachpraxis an drei Tagen/Woche von den Praktikumsbetrieben übernommen wird, wurden in den Schulen die Werkstätten, Praxisräume zu Klassenräumen umgebaut. Die Tätigkeitsbeschreibung der Fachlehrer wurde jedoch noch nicht angepasst.

Möglich ist die bundesweite Veröffentlichung von besoldungsrelevanten Fakten, Anträgen, Klagen, Urteilen:

Zulassung zum Masterstudium: Damit ist die FLA – im Sinne der Zulassung – gleichwertig dem ersten HS-Abschluss
IFL-Kurs „Vorsemester“ als Bewertungsmaßstab zur internen FH-Qualifikation
Fortbildung zum „Technischen Lehrer“ § 60, Fn 17, in NRW
„Höherwertige Tätigkeit“ im Theorieunterricht
Berufsakademie sind nach dem Gesetz keine Hochschulen, vergeben aber deren Abschlüsse
Eingaben/Petitionen an Deutschen Bundestag, Landesparlament
Klage auf Beförderung zum Fachoberlehrer (A12), Verwaltungsgericht Hamburg Az. 20K 1025/13

Im Sinne der Gleichwertigkeit der beruflichen Bildung ist die Gleichwertigkeit mit den formalen Berechtigungen des ersten Hochschulabschlusses notwendig.

Die Beschäftigungsbehörden arbeiten bundesweit u.a. im Rahmen der KMK und HRK zusammen, wobei die Interessen der „Fachlehrer“ kaum beachtet werden. Daher ist eine länder-, partei- und gewerkschaftsübergreifende Information im Sinne der kleinen Gruppe der Fachlehrer notwendig.

Joachim Schroeder”