Bereits seit vielen Jahren befinden sich pädagogische und therapeutische Fachkräfte an Förderschulen und in der Inklusion in einer Zwangsteilzeit, d.h. sie wollen in Vollzeit arbeiten, bekommen jedoch vom Land Niedersachsen keine Möglichkeit dazu. Die Folgen: Altersarmut und der Druck zusätzliche Tätigkeiten als Nebenjob o.ä. anzunehmen. Auch eine finanzielle Abhängigkeit innerhalb der Familie kann eine Folge der Zwangsteilzeit sein. Außerdem gab es Fälle, in denen Kolleg*innen aus finanziellen Gründen ihr Arbeitsverhältnis beim Land Niedersachsen aufgeben mussten, da andere Arbeitgeber inzwischen aufgrund des Fachkräftemangels bessere und reizvollere Angebote machen konnten. Dieser Schritt ist vielen Kolleg*innen nicht leichtgefallen, weil ihnen die Schuler*innen ans Herzen gewachsen sind. Die Schulen benötigen die therapeutischen Fachkräfte (Logopäd*innen, Ergotherapeut*innen, Physiotherapeut*innen etc.) und pädagogischen Fachkräfte (Erzieher*innen, Heilerziehungspfleger*innen etc.) dringend, um multiprofessionell an den Förderschulen und in der Inklusion arbeiten und den Schüler*innen qualitativ gerecht werden zu können.
Nun hat das Kultusministerium einen weiteren Schritt zur Beendigung der Zwangsteilzeit in die Wege geleitet. Hierzu sollen landesweit 100 Vollzeiteinheiten für die Aufstockung zur Vollzeitbeschäftigung zur Verfügung gestellt werden. Weser-Ems wird hiervon 50 VZE erhalten. Möglichst alle Kolleg*innen, die in den letzten Jahren eine Interessensbekundung auf eine Vollzeitstelle an das RLSB in Osnabrück geschickt haben, sollen berücksichtigt werden. Die Stellen sind teilzeitgeeignet, d.h. wenn sie angenommen werden, obwohl die momentane Lebenssituation (Kindererziehung, Pflege von Angehörigen etc.) eine Vollzeitbeschäftigung nicht zulässt, kann ein Teilzeitantrag gestellt werden.
Die GEW Weser-Ems begrüßt diesen Schritt in die richtige Richtung, verweist jedoch auch darauf, dass es immer noch zahlreiche Kolleg*innen gibt, die noch keinen Antrag auf Vollbeschäftigung gestellt haben. Für sie wird es derzeit auch kein Angebot geben. Betroffene Kolleg*innen können sich aber dennoch an die Fachgruppe PTTF im Bezirk Weser-Ems wenden. Wir können Hilfestellung bei der Antragstellung geben.